Sie steht da. Yogamatte unter dem Arm, ein Lachen, das sofort ansteckt. Perfekt. Ich gehe allein nach Hause.

Lächelnde Frau mit türkiser Yogamatte am Fenster – Symbolbild für Annäherungsangst und Hypnosystemik

Sie steht da. Yogamatte unter dem Arm, ein Lachen, das sofort ansteckt. Perfekt. Ich gehe allein nach Hause.

Eine Workshop-Geschichte über ungewolltes längerfristiges Singledasein, Annäherungsangst und Hypnosystemik

Ich bin auf diesem Workshop, und genau da wird mir klar: Sie ist die Frau, die einfach passt. Angenehme Ausstrahlung, macht selbst Yoga, offen für das, was mir wichtig ist – auch in Sachen Sexualität.

Und dann die Frage: Wie geht ein Paar- und Sexualtherapeut jetzt eigentlich damit um?

Eigentlich wäre jetzt Tiger angesagt: hingehen, ansprechen, klarmachen. Stattdessen: bumm, Igel. Klein, zusammengerollt, eingeschüchtert.

„Was will eine so tolle Frau mit einem Paartherapeuten — das schreckt doch ab.“
„Mit den anderen Macken könnte sie eh nicht umgehen.“
„Sie ist zu gut für mich.“

Wie die Geschichte ausgeht? Ich gehe allein nach Hause.

Und wenn sich das wiederholt? Dann wird aus einem einzelnen Moment schnell ein ungewolltes Singledasein – nicht weil niemand passt, sondern weil die Problemtrance schneller ist als der erste Schritt.

An der Situation selbst hatte sich nichts verändert. Sie stand noch da, die Chance war noch da. Verändert hatte sich nur ein einziger Faktor: der innere Film, der plötzlich lief. Ich stand stocksteif, stellte sie auf einen viel zu hohen Sockel und erklärte mich selbst für nicht wert genug, sie überhaupt anzusprechen. In diesem Moment fühlten sich diese Gedanken wie Wahrheit an. Waren sie nicht. Sie waren ein selbst erzeugtes Bild – mehr nicht. Genau diesen Zustand nennen wir in der Hypnosystemik eine Problemtrance – und genau damit arbeite ich beruflich jeden Tag. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Was ist Hypnosystemik eigentlich?

Hypnosystemik ist kein Show-Effekt und keine klassische tiefe Hypnose. Der Ansatz wurde Anfang der 1980er-Jahre von Gunther Schmidt entwickelt und verbindet systemisches Denken mit der Hypnotherapie nach Milton H. Erickson. Statt zuerst nach Defiziten zu suchen, richtet die Hypnosystemik den Blick darauf, vorhandene Kompetenzen und hilfreiche innere Bilder zu aktivieren – bei mir selbst genauso wie bei meinen Patient*innen.

Gearbeitet wird dabei mit alltäglichen Trance-Phänomenen: mit der Aufmerksamkeit, die sich – wie in meinem Workshop-Moment – von selbst auf ein Problem verengen kann, genauso wie sie sich gezielt wieder öffnen lässt. Diesen Zustand der Enge nennen wir Problemtrance, den erweiterten, ressourcenvollen Zustand Lösungstrance.

Vom Igel zum Tiger – wie das neue Programm verankert wird

Wenn ich mit Patient*innen an ungewollten Singeldasein arbeite, setzen wir zunächst an der Problemtrance an. Zunächst ergründen wir psychodramatisch und hypnosystemisch: Wie genau fühlt sich der Moment an, welches Bild taucht auf, welcher Satz, welche Körperhaltung gehört dazu? Auf dieser Basis entwerfen wir eine zweite Szene – den Ablauf, wie es im Idealfall laufen könnte.

Im Trancezustand üben wir dann genau diesen Wechsel: von „Ich bin eh nichts für sie“ zu „Wir sind gleichwertig – ich kann zumindest mal ein Gespräch anfangen.“ Nicht nur einmal, sondern so oft, bis daraus ein eingeübtes Programm wird, das sich bei Bedarf abrufen lässt.

Das Ziel: Meldet sich beim nächsten Mal der Igel, merke ich das – und kann bewusst umschalten. Das neue Programm laden. Und auf die andere Person zugehen, auf Augenhöhe statt auf einem Sockel.

Bei Coaching Keck verbinde ich genau solche hypnosystemischen Ansätze mit Tiefenpsychologie, Traumatherapie (EMDR), Psychodrama, Achtsamkeit und Yoga – je nachdem, was für die jeweilige Situation passt. Pauschale Lösungen gibt es aus meiner Sicht nicht, jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Genau darauf richte ich meine Arbeit aus: mit Klarheit, Tiefe und manchmal auch mit einer Prise Humor.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Problemtrance beim Kennenlernen?

Ein Zustand, in dem sich die eigene Wahrnehmung so verengt, dass Selbstzweifel wie Fakten wirken – obwohl sich an der Situation selbst nichts geändert hat.

Nein. Es geht nicht um Show-Hypnose oder tiefe Trancezustände, sondern um die gezielte Arbeit mit Aufmerksamkeit und inneren Bildern, die im Alltag ohnehin ständig präsent sind.

Die alte und die neue Reaktion werden zunächst psychodramatisch durchgespielt und dann im Trancezustand so lange geübt, bis der Wechsel zu einem abrufbaren Programm wird – für den nächsten Moment, in dem sich der Igel meldet.

Weil hypnosystemische Arbeit an bereits vorhandenen Wahrnehmungsprozessen ansetzt, zeigen sich oft schon nach wenigen Sitzungen erste spürbare Veränderungen.

Ja. Wenn sich dasselbe Muster immer wieder wiederholt, lohnt sich der Blick auf die zugrunde liegende Problemtrance – oft ist genau sie es, die aus einzelnen Momenten ein dauerhaftes ungewolltes Singledasein macht.